Erst die Metadaten machten das Bild vollständig

Polens Wetterdaten wirkten zunächst vertraut und einfach nutzbar. Aufwendig wurde die Integration erst durch verstreute Stationsmetadaten, besondere Statusregeln und fehlende Monatsdaten seit 2024.

Flagge von Polen
16.08.2026

Mein Start

Vertrauter Aufbau, schwieriger Einstieg

Ich hielt Polen für ein geeignetes nächstes Land. Die Daten wirkten auf den ersten Blick sauber und vor allem einfach. Das System erinnerte mich an den Deutschen Wetterdienst, sodass ich davon ausging, meinen Downloader und Mapper nur wenig anpassen zu müssen.

Bei der Recherche zeigte sich jedoch schnell die erste bekannte Hürde: Übersetzungen fehlten, weshalb ich mich immer wieder mit einem Übersetzer durch die polnischen Beschreibungen arbeiten musste. Das eigentliche Problem war aber nicht die Sprache, sondern die Verteilung der grundlegenden Stationsinformationen.

Stationsmetadaten

Grundlegende Stationsdaten als Puzzle

Die Metadaten der polnischen Wetterstationen waren auf mehrere Quellen verteilt. Drei verfügbare PDF-Berichte enthalten unterschiedliche Stationsgruppen und deren kurze KOD-Kennungen. Die Klimastationen sind in mapa_zawartosci_klimat.pdf, die Niederschlagsstationen in mapa_zawartosci_opad.pdf und die Synop-Stationen in mapa_zawartosci_synop.pdf aufgeführt. Keine dieser Quellen lieferte für sich allein alle Informationen, die ich für die Klimachronik benötigte.

Zusätzlich verbindet wykaz_stacji.csv die lange neunstellige Stations-ID mit den kurzen Codes, während kody_stacji.csv weitere Angaben wie Höhe und Gründungsjahr enthält. Ich musste die Informationen deshalb wie ein Puzzle zusammensetzen und einzelne Details zusätzlich online recherchieren. Bei keinem zuvor bearbeiteten Land hatte mich die Beschaffung grundlegender Stationsinformationen so lange beschäftigt.

Mit Unterstützung von KI ließen sich die verstreuten Angaben schließlich vergleichsweise gut zusammenführen. Im unteren Downloadbereich steht deshalb nun eine weitgehend zusammengeführte Stationsliste zur freien Verfügung. Um die 1000 Höhenangaben fehlen allerdings weiterhin, da ich dafür keinen einfach nutzbaren und zugleich verlässlichen vollständigen Datensatz finden konnte.

Zusätzlich liegen die gesammelten Stationsdaten ohne Header vor. Auch dafür musste ich erst einen brauchbaren Weg zur Verarbeitung finden, grundsätzlich lösbar, aber eigentlich unnötige zusätzliche Arbeit und vor allem bei der Recherche und der Sprachbarriere sehr hinderlich.

Tagesdaten und Monatswerte

Als die Monatsdaten wegfielen, wurde die Verarbeitung so richtig komplex

Ein weiteres Problem betrifft die monatlichen Daten aus Polen: Seit 2024 sind sie nicht mehr verfügbar; nach den vorliegenden Hinweisen bestehen technische Probleme. Scheinbar sind die Probleme gravierend, man sieht es auch an der Grafik der Stationsanzahl, welche 2015 zum ersten Mal regelrecht eingebrochen ist und ab 2024 teilweise gar nicht mehr verfügbar waren.

Damit musste ich einen Bereich angehen, den ich zunächst vermeiden wollte:
Monatswerte selbst aus den Tagesdaten zu berechnen. Die Datenmengen sind groß, die Berechnungen müssen automatisiert laufen und für die polnischen Dateien gelten wie ich dann nach und nach feststellte mehrere, für die Programmierung "fiese" Sonderregeln auf Makroebene. Auf dieser Ebene bin ich einige Zeit gesteckt, da ich eigene zusätzliche Log-Skripte benötigte um die Korrektheit der Daten zu validieren, nur leider fanden sich immer neue Fehler :D.

Besonders wichtig bei den polnischen Daten sind leere Werte und die zugehörigen Statusfelder. Polen hat die Änderung des Datenformats beschrieben und entfernte bei fehlenden Messungen beziehungsweise Phänomenen den bisherigen Nulleintrag aus dem Wertefeld, während die Statusfelder erhalten blieben.

Bei der späteren Prüfung der tatsächlichen Tagesdateien aller drei IMGW-Bereiche zeigte sich:
Status 8 bedeutet eine fehlende Messung. Status 9 kann dagegen bei Niederschlag, Sonnenstunden sowie Schnee- und Ereigniswerten einen gültigen Wert 0 bedeuten. Bei Temperaturen wäre dieselbe Umdeutung fachlich falsch. Schneedeckentage waren zusätzlich tückisch, weil in den geprüften Dateien kein Status 9 vorkam, dafür aber viele echte Status-8-Lücken.

Der Mapper liest deshalb nicht mehr nur eine Wertespalte, sondern ordnet je Dateischema Wert und zugehöriges W-Statusfeld als Paar zu. Erst nach einer spezifischen Bewertung des Status werden Tageswerte zu Monatswerten aggregiert: Status 8 liefert immer null, Status 9 erzeugt nur bei passenden Messgrößen einen gültigen Nullwert. Das verhindert, dass eine unvollständige Tagesreihe durch einen falsch interpretierten Status unbemerkt vollständig erscheint.

Aktueller Stand

Der Klimachronik-Mapper kennt inzwischen die polnischen Sonderregeln

Die grundlegenden Stationsinformationen sind inzwischen so weit zusammengeführt, dass ich mit ihnen arbeiten kann. Offen bleiben vor allem zahlreiche Höhenangaben. Gleichzeitig kann der Mapper die headerlosen Datendateien und die feldabhängige Interpretation der Statuswerte berücksichtigen.

Bei der Umrechnung der Tageswerte orientiere ich mich an einer ausführlichen Berechnungsübersicht, die bei den Messdaten vorliegt. Ich bin kein Experte für jede fachliche Aggregationsregel; deshalb habe ich die Berechnung recherchiert und setze die dokumentierten Regeln automatisiert um, sobald Tagesdaten vorliegen. Wenn sich fachliche Einwände oder Fehler zeigen, passe ich die Berechnung entsprechend an.

Polen wurde damit deutlich aufwendiger als zu Beginn erwartet. Gerade die Kombination aus verstreuten Stationsmetadaten, fehlenden Monatsdaten und messgrößenabhängigen Statusregeln hat die Integration für mich sehr schwierig gemacht. Der entscheidende Fortschritt ist, dass diese Daten nun zukünftig ausdrücklich automatisiert verarbeitet werden können und ich viel lernen konnte. Ich hoffe das Polen nicht so schnell wieder etwas am Datenformat verändert ;D.

Quellen und Arbeitsmaterial

Downloads

Stand:16.08.2026