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Klimadatenarchiv der Uni Graz

Wenn digitale Klimadaten wieder Handschrift bekommen

In der Klimachronik sehe ich Zahlen aus mehr als einem Jahrhundert. Im Archiv der Universität Graz begegnen mir dieselben Beobachtungen als handschriftliche Einträge auf alten Klimabögen.

Der Vergleich hat etwas sehr Befriedigendes: Ein nüchterner digitaler Monatswert lässt sich plötzlich auf einem Blatt wiederfinden, das vor über 100 Jahren von Hand ausgefüllt wurde.

Das Fundstück

Mehr als eine lange Zahlenreihe

Das Klimadatenarchiv der Universität Graz enthält fotografierte Monatstabellen meteorologischer Beobachtungen aus den Jahren 1890 bis 2004. Aufzeichnungen aus Graz sind laut der Geschichte der meteorologischen Station sogar bereits ab 1795 nachgewiesen.

Für mich wurde es besonders spannend, als ich die Bögen mit der Station Graz Universität/Heinrichstraße in der Klimachronik verglichen habe. Ich wollte wissen, ob die digital bereitgestellten Werte aus einer Zeit vor mehr als 100 Jahren wirklich mit den alten handschriftlichen Aufzeichnungen zusammenpassen.

Nachdem ich mehrere Klimabögen durchgesehen hatte, fand ich dort genau die Werte wieder, die auch in den Stationsdaten der Klimachronik stehen. Das war keine neue Berechnung und kein spektakulärer Datentrick, sondern eine direkte Verbindung zur ursprünglichen Beobachtung. Aus einer Zahl in einem Datensatz wurde ein handschriftlicher Eintrag auf altem Papier.

Einordnung: Mein Vergleich war eine persönliche Stichprobe einzelner Bögen und keine vollständige wissenschaftliche Validierung der gesamten Messreihe.

Die Gegenprobe

Klimabogen und Stationsansicht nebeneinander

Es hat schon etwas Beeindruckendes für mich, derart alte Papiere zu sehen. Sie sind tatsächlich physisch vorhanden, und einige der darauf notierten Werte sind heute hier auf meiner Website zu sehen.

Klimabogen der Universität Graz für Juli 1894 mit blau markierten Vergleichswerten
Juli 1894 - Klimabogen der Universität Graz. Die blau markierten Werte erleichtern den Vergleich.
Klimabogen der Universität Graz für August 1894 mit blau markierten Vergleichswerten
August 1894 - Klimabogen der Universität Graz. Die blau markierten Werte erleichtern den Vergleich.
Screenshot der Klimachronik für den Vergleich der Juliwerte
Juli - Screenshot der Klimachronik mit den passenden Vergleichswerten.
Screenshot der Klimachronik für den Vergleich der Augustwerte
August - Screenshot der Klimachronik mit den passenden Vergleichswerten.

An den Bildern lässt sich zum Beispiel das Temperaturmaximum gut vergleichen: Der Wert auf dem Klimabogen stimmt exakt mit der Stationsansicht der Klimachronik überein. Auch die Niederschlagswerte passen fast vollständig zusammen. Die Niederschlagsmengen in den digitalen Daten von GeoSphere Austria sind auf ganze Millimeter gerundet.

Das Archiv

115 Jahre Monatstabellen werden zugänglich

Die meteorologische Station der Universität Graz befindet sich seit 1891 auf dem heutigen Campus, wurde dort wegen verschiedener Bautätigkeiten aber an leicht unterschiedliche Standorte verlegt.

Meteorologische Station der Universität Graz
Meteorologische Station der Universität Graz. Foto: Uni Graz/Angele.

Mitarbeiter des Instituts für Physik haben die Bögen katalogisiert und verwertbare Metadaten erfasst. Dazu gehören Angaben zu Instrumenten, Kalibrierungen und Reparaturen, die Namen der Beobachter sowie dokumentierte Standortwechsel. Die Universitätsbibliothek Graz ließ die Bögen fotografieren.

Auf der Website ist das Archiv nach Jahrzehnten gegliedert. Dadurch kann man sich von 1890 bis zu den letzten klassischen Monatstabellen im November 2004 bewegen. Danach wurden Aufzeichnung und Eingabe der Stationsdaten weitgehend elektronisch fortgeführt. Die veröffentlichten Bilder stehen unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.

Atmosphären- und Klimaphysik

Historische Bögen als Teil aktueller Forschung

Die Arbeitsgruppe für Atmosphären- und Klimaphysik bewahrt nicht nur alte Tabellen auf. Sie betreibt weiterhin die meteorologische Station der Universität. Deren lange kontinuierliche Reihe trägt die Anerkennung als WMO Centennial Observing Station. Mit diesem Programm hebt die Weltorganisation für Meteorologie Stationen hervor, deren lange, hochwertige Reihen für die Beurteilung von Klimavariabilität und Klimawandel besonders wertvoll sind.

Gemeinsam mit GeoSphere Austria betreibt die Forschungsgruppe zwei teilautomatisierte Wetterstationen. Ihre Messdaten fließen in das meteorologische Messnetz der GeoSphere Austria ein, das internationale WMO-Qualitätsstandards erfüllt und als Grundlage für Wettervorhersagen, Klimaprodukte und Klimaforschung dient.

Zu den Forschungsschwerpunkten gehören hochwertige Klimastationsdaten, historische Klimavariabilität und regionale Klima- und Hydrologieänderungen. Bei regionalen Analysen geht es unter anderem um Starkniederschläge und Dürren im sich erwärmenden Alpenraum. Ein weiterer Schwerpunkt ist die satellitengestützte Atmosphärenbeobachtung mit GNSS-Radio-Okkultation, bei der Navigationssatellitensignale für stabile globale Klimabeobachtungen genutzt werden.

Gerade für die historische Klimaforschung sind lange Beobachtungsreihen wichtig. Sie helfen dabei, natürliche Schwankungen besser zu verstehen und seltene Extremereignisse einzuordnen. Auch die WMO beschreibt die Rettung historischer Wetterdaten als entscheidend, damit künftige Forschung Klimavariabilität und Klimawandel untersuchen kann. Die alten Grazer Bögen sind damit zugleich Archivgut, nachvollziehbare Messdokumentation und Material für heutige Forschung bzw. dient mir hier auch bei der Klimachronik um die Daten überhaupt so aufbereiten zu können.

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Quellen und weiterführende Seiten

Veröffentlicht:03.09.2026